Dr. Jakob Kellenberger * Jakob Kellenberger, Bürger von Walzenhausen AR, wurde am 19. Oktober 1944 in Heiden, Appenzell-Ausserrhoden geboren. Er studierte an der Universität Zürich, mit Studienaufenthalten in Granada und Tours, französische und spanische Literatur und Linguistik. Die Lizenzarbeit schrieb er über Jean-Jacques Rousseau (De la nécessité de subordonner l'esthétique à l'éthique). 1975 wurde Jakob Kellenberger aufgrund der Dissertation "Calderón de la Barca und das Komische unter besonderer Berücksichtigung der ernsten Schauspiele" von der Philosophischen Fakultät I der Universität Zürich zum Doktor der Philosophie promoviert. Mit Elisabeth Jossi, die ebenfalls in Zürich Romanistik und Germanistik studierte, ist er seit der Studienzeit verheiratet. Die beiden Töchter Eleonore und Christina leben heute in Madrid und Amsterdam. In den diplomatischen Dienst trat er 1974 ein. Seine 25-jährige diplomatische Laufbahn verlief ungewöhnlich rasch. Nach Aufenthalten an den Botschaften in Madrid, Brüssel und London übernahm er 1984 das hauptsächlich für die Beziehungen zur Europäischen Union zuständige Integrationsbüro EDA/EVD, das er bis 1992 als Minister und Botschafter leitete. 1992 wurde er zum Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten und Direktor der Politischen Direktion ernannt. Die Gestaltung der Beziehungen zur Europäischen Union — konzeptiell-strategisch im Innern, als Unterhändler nach aussen — prägte seine diplomatische Laufbahn. Unter der Leitung des entschiedenen Befürworters eines schweizerischen EU-Beitritts entstanden für die Ausrichtung der Aussen- und vor allem Europapolitik wichtige Grundsatzpapiere wie der Aussenpolitische Bericht 1993. Der Entscheid des Bundesrates, im Mai 1992 die Gesuche für EU-Beitrittsverhandlungen einzureichen, fiel in seine Anfangszeit als Staatssekretär. Wichtige Verhandlungen prägten die diplomatische Laufbahn Jakob Kellenbergers: Von 1994—1998 war er Koordinator und Chefunterhändler der sieben bilateralen sektoriellen Abkommen mit der EU, die Ende 1998 abgeschlossen und im Jahre 2000 vom Volk mit deutlicher Mehrheit genehmigt wurden. Von 1989—1991, noch als Chef des Integrationsbüros, leitete er die Transitverhandlungen mit der EU, von 1990—1992 war er stellvertretender schweizerischer Chefunterhändler in den EWR-Verhandlungen. Seit dem Jahre 2000 ist Jakob Kellenberger Präsident des heute rund 12'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählenden Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt der operationellen Effizienz der Organisation auf dem Feld, der humanitären Diplomatie zur Sicherung der Akzeptanz des IKRK in allen Kulturkreisen und Massnahmen, die zu einer besseren Respektierung des humanitären Völkerrechts führen. Er ist offen für Weiterentwicklungen dieses Rechts. Seine Grundhaltung kommt am besten in der Aussage zum Ausdruck, man müsse, bevor man dem Ruf nach neuen Regeln folge, prüfen, ob es wirklich an den Regeln fehle oder am politischen Willen, diese durchzusetzen. Jakob Kellenberger besteht auf dem besonderen Charakter des humanitären Völkerrechts, ist aber gleichzeitig sehr interessiert am Zusammenspiel mit anderen komplementären Rechtskörpern wie den Menschenrechten oder dem Flüchtlingsrecht, wenn dieses Zusammenspiel zum besseren Schutz der Opfer beitragen kann Würdigung durch die Juristische Fakultät |
*) Stand zum Zeitpunkt des Referat-Zyklus